Männerzeitung #37 vom 01.03.2010

Editorial

«Der neue Mann denkt jedoch warm – im gut geheizten Bauernstübchen bei sechsundzwanzig Grad. Am Nachmittag, ab drei Uhr, ernährt
er sein Gehirn zudem mit einem Honigschnittchen, um sonnige, liebetragende Gedanken hegen zu können.»
Jürg Reinhard

Lieber Leser, liebe Leserin

Ivo Knill PortrailDer neue Mann, das ist einer, der selbstbestimmt, partnerschaftlich, frei und verantwortungsvoll lebt. Neue Männer wollen Frauen auf Augenhöhe und Sex mit Lust. Sie wollen Kinder nicht nur haben, sondern auch erleben. Sie wollen in der Arbeit aufgehen, aber nicht untergehen. Die Sorge für sich und die Sorge für andere gibt ihrem Leben Sinn und Gehalt. Sie nehmen ihr Leben ernst und vergessen darüber das Spiel nicht.

Wo ist der neue Mann zu finden? Ist er die Ausnahme, auf die wir noch lange warten? Einerseits ja: Nur fünf von hundert Vätern können sich dank Teilzeitarbeit mehr Zeit für ihre Kinder nehmen, wenn diese klein sind. Der neue Mann lebt im Zeitalter der Emanzipation, aber er lebt noch weitgehend das selbe Ernährermodell wie sein Vater. Anderseits zeigen aktuelle Studien und Umfragen, dass der neue Mann mental schon längst die Regel und nicht die Ausnahme ist: Die überwiegende Mehrheit der Männer strebt einen gleichberechtigten und partnerschaftlichen Lebensentwurf an. Sie und ihre Partnerinnen scheitern nicht an einer überholten Denkweise, sondern an einer rückständigen Familienpolitik. Wenn die Rolle der Männer neu werden soll, braucht es neue gesellschaftliche Rahmenbedingungen: Teilzeitarbeit, Steuerentlastung, Elternschaftsurlaub. Der neue Mann ist ein Programm, das noch weit von seiner Erfüllung entfernt ist.

Vorderhand wursteln wir mit neuen Ideen in alten Strukturen. Das sollte uns nicht daran hindern, die Augen fürs Wesentliche offen zu halten. Wir finden den neuen Mann als Vater, der vor der Arbeit die Tochter zur Krippe bringt. Wir finden ihn als Chef, der Verantwortung für seine Mitarbeiter als Menschen wahrnimmt. Wir finden ihn als Spenglermeister, der einem schwierigen jungen Mann auf die Schiene hilft. Er ist der Arbeitskollege, der lange Jahre seine an Krebs erkrankte Frau begleitet, der sorgt, pflegt und begleitet. Er ist der Freund, der zwischen Frauengeschichten, Ausschweifungen und wachen Momenten den Weg sucht. Der neue Mann liegt nur ein, zwei Schritte weit vom alten entfernt: Ein Schritt der Neugierde, ein Schritt ins Jetzt, ein Schritt ins Vertrauen. Und vielleicht auch ein Schritt der Versöhnung mit dem, was an ihm noch alt ist – das kann ja auch ganz bewährt sein.

Diese Nummer zeigt dreierlei: Skizzenblätter männlicher Lebensentürfe, die statistische Untersuchung zum neuen Mann und die grossen und kleinen Initiativen der Solidarität, mit denen Männer unterwegs sind.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre!

Mit herzlichen Grüssen,
Ivo Knill

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