Männerzeitung #41 vom 01.03.2011

Folge dem Ruf der Giulia oder: 27 Gründe, ein Teilzeitmacho zu sein

Wir müssen nicht immer arbeiten.

von Ivo Knill

31.5 Stunden widmete im Jahr 2007 der Durchschnittsvater seinen Kindern und dem Familienhaushalt – und zwar pro Woche und zusätzlich zur bezahlten Berufsarbeit. Mit anderen Worten: Väter arbeiten 100 % im Betrieb und noch einmal 80 % zuhause. Die Zahl stammt vom Bundesamt für Statistik – und sie hat sogar mich als progressiven Vater erstaunt. Ich habe weiter recherchiert und noch einmal gestaunt: Im Jahr 1997 hatten Väter gerade 24 Stunden für Familien- und Hausarbeit aufgewendet. Sie haben sich also innerhalb von zehn Jahren um acht Stunden pro Woche gesteigert. Die Zahlen sagen es: Die neuen Väter sind am Kommen. Aber sie kommen auf diesem Weg an ihre Grenzen. Die Addition der alten und der neuen Anforderungen an den Mann führt zum Kollaps. Männer müssen sich befreien.

Eine der Schwierigkeiten dieser Selbstbefreiung besteht darin, dass sie scheinbar viel stärker von Männern erwartet wird als sie von ihnen gewünscht ist. Männer lassen sich nicht gerne sagen, sie sollen neue Rollenbilder entdecken – und schon gar nicht welche. Die Kunst besteht darin, auf eigenen – auf Männerwegen – zu Einsichten und Perspektiven zu kommen, die diesen Rollenwechsel ermöglichen. In solcherlei Künsten ist es oft so gewesen, dass Witz und Klugheit sich die Hand reichen müssen. In diesem Sinne ist das Folgende zu verstehen. Mann sein ist ja im Sinne des «Doing Gender» eine Arbeit. Der Macho im Muskelshirt ist der Handwerker auf der Baustelle einer sich neu erfindenden Männlichkeit. Man darf ihn mit einem Augenzwinkern betrachten. Hier denkt er über eine neue männliche Lebenshaltung der Musse nach.

27 unvernünftige Gründe weniger zu tun und mehr daraus zu machen

Man hat dabei oft keine Kleider an, kommt ins Schwitzen und kann zeitweise nicht mehr klar denken: Sex ist unter vernünftigen Gesichtspunkten betrachtet etwas Unangenehmes. Trotzdem tun wir es. So ist es auch mit der Teilzeitarbeit. Die vernünftigen Gründe sprechen dagegen. Grund genug, sich auf die Unvernünftigen einzulassen. Hier folgen 27 davon.

1. Zeit für Puppenhäuser und Heim und Hobby:

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Luca Simón Bricciotti, superlunes.visualsociety.com

Ich stelle mir eine Zukunft vor, in der bastelfreudige Teilzeitväter und kinderlose Müssiggänger die Heim-und-Hobby-Zentren zum Mekka ihrer befreiten heimlichen Gestaltungslust machen. Sie flanieren zwischen den Gestellen, fachsimpeln vor den Auslagen, prüfen Sonderangebote und tragen die Beute ihrer Einkaufszüge nach Hause, wo sie den Küchentisch in eine Werkbank verwandeln. Der Klang ihrer Bohrmaschine, der Schläge ihres Hammers, der Geruch von Leim und Farbe und der Puder des Schleifstaubes machen aus der Dreizimmerwohnung einen Tempel des müssigen Gestaltens. Und Schwupps: Das Puppenhaus ist gebaut, das Holzgewehr geschnitzt, das ultimative Büchergestell aufgestellt und sogar standfest: Mensch, so darfst du sein und werden!

2. Freunde brauchen Zeit!

Natürlich kann man an Feierabenden das berühmte Bier mit Freunden trinken. Wie gut und schön das ist! Aber Freundschaften brauchen mehr. Sie brauchen die Musse eines verbummelten Nachmittags, der über Hügelzüge führt und Lichter in die Seelengründe wirft. Und wenn du zehn Frauen um dich hast, die dich verstehen: Das Wort unter Freunden kannst du nicht ersetzen. Es reicht bis an den Grund jenes Brunnens, aus dem wir unsere Kraft holen. Also los! Hinaus in die Natur, Seite an Seite mit einem guten Freund!

3. Zeit für Fusszonenreflexmassage und Wellness:

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Luca Simón Bricciotti, superlunes.visualsociety.com

Was ist der Mensch, wenn sein Körper leidet! Seien wir ehrlich: Nicht die Hälfte von dem, was er sein könnte. Und die beste Fusszonenreflexmassage gibt noch immer Mutter Natur. Mann: Wirf die Bürde deiner täglichen Arbeit ab, zieh die Schuhe aus und lasse deine entblössten Füsse auf der Erde gehen!

4. Windelnwechseln und Staubsaugen macht demütig und wiederum glücklich

Um ehrlich zu sein: Verschissene Windeln stinken, auch wenn sie vom eigenen Nachwuchs stammen. Staubsaugen krümmt den Rücken. Und doch ist das immer wieder eine gute Schule: Sich zu bücken, Unangenehmes tun, Dreck wegräumen, sauber machen – das befreit die Seele! Und abgesehen davon: Wie viele Mails würde ich noch so gerne gegen eine ehrlich und redlich vollgeschissene Windel tauschen!

5. Verfügbare Zeit ist Reichtum

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Luca Simón Bricciotti, superlunes.visualsociety.com

Wie arm sind doch jene Leute, die Terminkalender haben wie eine Hautkrankheit: Alles voll geschrieben, jeder Tag von Hand oder elektronisch in eine wimmelnde Unzahl von Viertelstunden unterteilt. Auf den Linien zwischen ihnen sitzen Termine wie böse Geister im Gurkenglas oder keifende Papageien auf der Stange. Wie reich ist jener, der an einem Dienstagnachmittag freie Zeit hat!

6. Sie bestimmen, was bei Ihnen auf den Tisch kommt

Nichts ist schöner, als alte Rezepte aus der Kindheit wieder aufleben zu lassen. Toll! An Ihrem freien Tag schmeissen Sie sich in die Kochschürze, laden ein, wen Sie lieben und lassen die Götter des Geniessens unter Freunden aufleben! Feiern Sie bei Rösti und Geschnetzeltem die Freude des Schlemmens! Zünden Sie der Liebe, dem Magen und dem Andenken an alle, die liebend für sie gekocht haben, eine, zwei oder drei Kerzen an.
Oder sitzen Sie, mit all diesem schönen Wissen über das Leben, mit ihrem Sohn oder ihrer Tochter bei einer Pizza aus der Mikrowelle am Tisch.

Einspruch!

Ist solcherlei Schwadronieren über freie Zeit nicht zynisch und elitär? Nicht jeder kann sich so mir nichts dir nichts ganze oder halbe freie Tage aus der Woche stehlen. Für viele – und gerade für viele Väter – ist freie Zeit ein frommer Wunsch. Wie soll, wer kaum 4000 Franken verdient, sich auch noch Zeit leisten können? Hier sei ein kleiner Hinweis gewagt oder besser eine kleine Frage: Wie machen das denn die Frauen? Falls es stimmt, dass sie für die gleiche Arbeit sogar noch weniger verdienen als die Männer – wie schaffen es denn die Gattinnen, dass sie in der überwiegenden Mehrzahl Teilzeit arbeiten? Sie geben Arbeit ab, sie finden jemanden, der ihnen hilft, damit sie nicht die ganze Arbeit machen müssen. Kann man sich doch eigentlich einiges abgucken, oder?

7. Lassen Sie sich bemuttern!

Wer zu Unzeiten – das heisst untertags – als Mann unterwegs ist, um Milchflaschen fachgerecht zu entsorgen, kann den alles umfassenden Trost der Bemutterung erleben. So jedenfalls ging es mir kürzlich, als eine kundige Mitentsorgerin beherzt in meine Tasche griff und die verschiedenen Flaschen blitzschnell, fachgerecht und professionell in die richtigen Löcher versenkte. Was beweist, dass längliche Dinge in bestimmte Hohlräume zu stecken nicht ein allein männlicher Trieb ist. Bemutterung erlebt auch, wer mit seinem Kinde unterwegs im Tram ist: Ach, was werden da Kleider zurechtgezupft, Haare gestreichelt, Kapützchen hochgezogen, Hände gereicht, Köpfchen gestützt und Lobesworte gesprochen: Das Kind ist so still und dabei ist ER ein Mann. (Vielleicht ein geschiedener Vater?)

8. Sex macht mehr Spass

Es gibt ja Leute (Männer und Frauen!), die behaupten, dass Sex mit Männern, die einen Kinderwagen stossen, nicht wirklich befriedigend sei. Wir können das ein Stück weit nachvollziehen: Es gibt wenige Stellungen, die in der Kombination von Mann, Frau und Kinderwagen zuverlässig zum Höhepunkt führen. Wir schlagen vor, den Kinderwagen für den sexuellen Akt beiseite zu stellen. Und dann sind die Resultate meist recht befriedigend.

9. Es ist solidarisch und deshalb macht Sex auch
mehr Spass

Männer, die sich die Erwerbsarbeit mit ihren Partnerinnen teilen, streichen einen Solidaritätsgewinn ein. Allein das Gefühl, mit gemeinsamen Kräften das gemeinsame Ziel eines geregelten finanziellen Unterhaltes zu erreichen, stiftet Solidarität. Man freut sich über den Beitrag des andern, weiss sich vereint im Teilen, stöhnt, wenn man stöhnt, solidarisch über die Arbeit und etwas freier im Bett. Geben und Nehmen findet nicht nur auf dem Schauplatz der Gefühle statt. Die Lustzone im Bett verkommt nicht zu einem komplexen ökonomisch-emotional-leidenschaftlichen Tauschbazar – sondern sie ist, was sie sein soll: Ein Ort zum sich Vergessen.

10. Und wenn wir schon dabei sind: Ihre Frau
versteht Sie besser!

Wenn Sie entschieden haben, die Erwerbsarbeit solidarisch aufzuteilen, werden Sie plötzlich gemeinsame Erfahrungen mit Ihrer Frau haben. Wer müde von der Arbeit nach Hause kommt, ist froh um einen Partner, der weiss, dass die Gefühle Zeit brauchen, bis auch sie zu Hause sind. Also mal bitte etwas Ruhe. Dass das kein emotionales Abwehrsignal ist (er hat nicht mal meine neue Frisur bemerkt!), versteht die Frau, die Selbiges auch erlebt (und den Salat runter hat, bevor er richtig auf dem Teller liegt, ratzfatz), und intensiver an den fordernden Chef denkt, als an den Mann, der ihr diese kulinarische Perle vorgelegt hat.

11. Arbeit macht mehr Freude, wenn wir Mass halten

Es ist klar: Über die Arbeit definieren wir uns, gerade als Männer. Der Mann ist eben gerne Fachmann. Der Beruf, die berufliche Entwicklung ist doch das, was uns stolz macht. Hier schöpfen wir Atem, hier messen wir Lebensspannen, hier gibt’s Aufstieg und Niedergang, hier wird gehofft, gelitten, gefühlt und gewonnen. Ja! Aber das kennen wir doch auch: Wie die Lust am Schaffen zur Last des Erledigens wird, wenn die Kräfte, die Zeit, der Abstand, die Freiheit fehlen. Ich denke, gerade darum macht es Sinn, Arbeit zu dosieren.

12. Arbeit macht mehr Freude, wenn sie uns Zeit schenkt

Arbeit, die mir nicht nur hilft, so viel zu schlafen, zu essen und zu relaxen, damit ich am nächsten Tag wieder in die Tretmühle zurück kann – Arbeit, die mir im Gegenteil auch die Zeit verschafft, inne zu halten und der Musse zu folgen: Eine solche Arbeit werde ich als Geschenk betrachten. Auch wenn sie manchmal aufreibend ist.

13. Sie werden bewundert

Wer seine Arbeitszeit selber bestimmt, der ist ein Mann, der aufs Ganze geht. Ein richtiger Macho eben, der seine Ziele setzt und ihnen folgt, auch wenn’s schwierig ist. Jahre von vollem Erwerb können sich mit Jahren abwechseln, in denen Leidenschaften, Hobbys, Kinder oder freie Projekte im Vordergrund stehen. Männer, die so leben, sind nicht nur Meister ihres Faches – sie sind auch Meister ihres Lebens. Also bitte: Nichts da von verzichtfreudigem Softietum: Für ganze Männer ist die Arbeit eben erst die Hälfte vom Leben.

14. Und überhaupt: Folgen Sie dem Ruf der Giulia!

Sie ist rot, ihr Jahrgang ist 1973, sie heisst Giulia. Alfa Romeo Giulia. Ihre Formen geben der Nostalgie eine Heimat, ein Königreich, in das Sie sich nur allzu leicht entführen lassen können. Ach, diese Polster, ach, dieser Schwung des Kotflügels. Wie wir als Buben einst mit unseren Blicken diesen Traumautos gefolgt sind. Ach! Folge diesem Ruf des Unnützen! Lies Bücher, die dein Inneres zum Universum einer Jagd nach verrückten Schafen macht. Lass dich von einer in den Nachmittag geklimperten Nocturne von Chopin entführen! Tue Unnützes, nur weil es schön ist! Der Mensch, mein Lieber, ist nur da ganz Mensch, wo er spielt – das wusste Schiller schon zu berichten.

15. Abgesehen davon wird die Scheidung billiger

Heute sieht es so aus, dass der Mann als Haupt der Familie ausgedient hat; als Ochse, der den Karren ziehen soll, aber nicht. Will sagen: Wer in der Ehe viel gearbeitet hat, der wird nach der Ehe, wenn sie gescheitert ist, den Preis dafür bezahlen. Also: Lieber in guten Zeiten die Arbeit teilen, dann muss man sie in schlechten Zeiten nicht allein machen.

16. Wobei: Vielleicht hält die Familie auch länger

Ich bin sicher, ja tief davon überzeugt, dass die Familie als Ort, wo Sorge für sich und füreinander geleistet und geteilt wird, nicht ausgedient hat. Die Menschheit gibt es einzig und allein, weil Männer und Frauen zusammenkommen, Sex haben, Kinder machen – und Kinder grossziehen. Die Zeiten bescheren uns heutigen Männern Frauen, die an unserer Seite Grosses vollbringen können. Teilen wir die Last, befreien wir die Lust!

17. Es gibt auch noch den NSU Ro 80, Wankelmotor

In den 80er-Jahren bin ich mit so einem mitgefahren zum Spalierstehen bei einer Hochzeit von einem sehr reichen Mitglied unserer Studentenverbindung. Geld heiratet Geld, hiess es da. Wir standen Spalier, ärmer und vielleicht etwas klüger. Hält diese Ehe noch? Ich weiss es nicht. Aber das Geräusch dieses Motors, ein Surren, fast wie von einer Nähmaschine, die Zuversicht der Technik: Das lebt in meiner Erinnerung weiter.

18. Geben Sie etwas weiter: Sich selbst

Was ist mir geblieben und hat ein Leben lang Nahrung gegeben, von dem, was mir mein Vater war? Ich erinnere mich an Bergwanderungen, an Fundamentgräben, die man wochenlang mit der Schaufel aushob, auch wenn es ein Bagger in einem Nachmittag hätte leisten können. An das Schweigen meines Vaters erinnere ich mich, das ich heute besser verstehe und das mir, wenn ich selber stumm werde, mehr Kraft gibt als viele Worte, weil ich weiss, dass auch er Wege gegangen ist, die schwierig waren.

19. Zeit für Johnny Cash

Wir müssen weder für uns noch die anderen perfekt sein. Solange wir auf diesem Planeten herumkrabbeln, irren wir und laden Schuld auf uns. Johnny Cash hatte davon viele Lieder gesungen. Und er hat von sich gesagt: Ich trage Schwarz für die Armen und die Unterdrückten, die im Elendsviertel der Stadt leben und Hunger, aber keine Hoffnung haben; ich trage es für den Gefangenen, der längst für sein Verbrechen gebüsst hat, aber immer noch einsitzt, weil er ein Opfer der Umstände ist.

20. Sie werden besser in Religion und Mathe

Wenn Sie Kinder haben, sind Sie plötzlich mit merkwürdigen Fragen konfrontiert: Gibt es einen Gott? Oder, wenn Mathe-Aufgaben anfallen:

Der indische König Schehram forderte Sessa, den Erfinder des Schachspiels, auf, sich eine Belohnung auszuwählen. Dieser erbat sich die Anzahl der Weizenkörner, die auf ein Schachbrett kämen, wenn man auf das erste Feld eines legte, auf das zweite Feld 2, auf das dritte 4, dann 8, 16, 32 usw.

A Wie viele Körner kämen auf das letzte Feld zu liegen?

B Wie viele t Weizen würden die Körner des letzten Feldes ergeben, wenn 20 000 Körner 1 kg wiegen?

C Wie lang würde ein Eisenbahnzug, wenn jeder Wagen 20 m lang ist und 40 t Weizen aufnehmen kann? Die Länge der Lokomotive kannst du vernachlässigen.

21. Sie stehen weniger im Stau

Nachdem der Bundesrat nun vorschlägt, die Mobilität zu verteuern, ist es endgültig an der Zeit, diese Plackerei für Geld zu hinterfragen. Da wird zentralisiert, umstrukturiert, globalisiert und flexibilisiert und Sie fahren dem ganzen Tamtam, das die Arbeit neuerdings geworden ist, mit dem Auto hinterher.
Nachtschichten werden selbstverständlich erwartet, Arbeitszeiten sind ausufernder als das Fortpflanzungsverhalten von Karnickeln. Sie brauchen einen PC, weil die Arbeitspläne online sind, Sie brauchen ein Handy, um auf Abruf zu sein, Sie müssen proper und sauber gekleidet sein, weil es die Kundenorientierung so will: Kurz und gut – die Arbeit wird zu einer Geliebten, die man sich auf die Dauer bald nicht mehr leisten kann. Also – hier muss Remedur geschaffen werden: Wer sich mehr wert ist, arbeitet weniger!

22. Vergessen Sie Hybridautos

Das ist auch wieder so ein Furz: So viel mehr für ein Auto zu bezahlen, damit man weniger fürs Benzin zahlen muss, das man sich sparen könnte, wenn man einen Bruchteil des Kaufpreises für ein GA ausgelegt hätte oder Zuhause bleiben würde und die Raten für das Auto nicht mehr abstottern müsste. Ich weiss nicht, wieviel Sie verdienen, aber eine Rate von 500 Franken für ein Auto kostet zuzüglich Steuern, Sozialausgaben, Aufwendungen für den Arbeitsweg etc. bald einmal 700 Franken. Sie arbeiten zwei, drei oder vier Tage pro Monat für ein Auto, das ein halber Zug sein will. Oder Sie tun es eben nicht. Gründe dafür gibt es.

23. Rechnen Sie richtig!

Zahlreiche Studien belegen, dass sich Arbeit für Eltern mit Kindern ab einem gemeinsamen Pensum von 120 oder 140 % nicht mehr lohnt: Die höheren Steuern, die progressiven Tarife der Kinderkrippen, der Wegfall von Krankenkassenverbilligungen, die Aufwendungen für den Arbeitsweg und die Verpflegung am Arbeitsplatz fressen das zusätzliche Einkommen weg. Eine Kombination aus Verzicht auf Verzichtbares (grosses, neues Auto, weite Ferien) und Optimierung des Einkommens kann dazu führen, dass Ihr Alltag an Qualität gewinnt und ihr finanzieller Spielraum gar nicht so viel kleiner wird.

24. Zeit für Walt Whitman

Hatte im 19. Jahrhundert gedichtet, von Soldaten, von Sklaven, von Männern und Frauen. Er träumte sich beide gross, Männer und Frauen, Wesen voller Kraft, Zuversicht und Optimismus, Brüder und Schwestern.

Gesang von mir selbst (aus: Grashalme)

Ich feiere mich selbst und singe mich selbst,/ Und was ich mir anmaße, das sollt ihr euch anmaßen,

Denn jedes Atom, das mir gehört, gehört auch euch! / Ich bin Müßiggänger und lade meine Seele zu Gaste,/ Ich lehne mich an oder schweife umher nach meinem Behagen, und betrachte einen Halm des Sommergrases. […]

Und ich weiß, dass der Geist Gottes der Bruder des meinigen ist, / Und dass alle Männer, die je geboren, auch meine Brüder sind, und alle Frauen meine Schwestern und Geliebten…

25. Tun Sie einfach mal Nichts!

Eben. Mach ich hier gerade. Komme später wieder!

26. Tun Sie, was Sie gerne machen!

Darum bin ich schon wieder hier: Ich liebe meine Arbeit, ich finde, das ist Leidenschaft. Sie misst sich nicht allein in den Stunden, die ich dafür aufwende, nicht allein im Geld, das ich dafür bekomme. Das Mass ist die Befriedigung, die ich aus ihr ziehe, der Stolz, den ich habe, wenn ich sie gut mache, die Uferlosigkeit, wenn sie mich in Schwung bringt. Und das Mass ist auch die Mühe, die ich auf mich nehme, meine Arbeit gut zu machen.

27. Aber finden Sie Ihre Grenze!

27 Gründe haben wir gesagt? – Ok, da sind sie!

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